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Das City El wurde (leider im Nachhinein viel zu teuer) im Sommer 2008 erstanden.
Aussehen tut es so:
City El

Da Blei von Anfang an nicht in Frage kam, wurde lange gesucht bis ein auf NiCd-umgebautes El zum Verkauf Stand. Zweiter Pluspunkt war der 48V-Umbau. Also flugs ins Sauerland gefahren und das El dort abgeholt. Wieder zurück, bin ich erstmal in die Arbeit damit gefahren, da es hieß '40-50km Reichweite'. Da wurde leider nichts draus, denn ich bin bei 17km einfachem Weg nichtmal mehr heimgekommen :-(. Also wurde der Akku mal näher unter die Lupe genommen. Das sah nicht sonderlich professionell aus:
Akku vorher

Die Zellverbinder waren aus Kupferblech fürs Dach vom Spengler angefertigt. Das wäre ja an sich nichts schlimmes, aber die Qualität der Ausführung war doch sehr fragwürdig. Daher wurde beschlossen das mal ordentlich zu machen. Beim Elektrogroßhandel wurden Stromschienen gekauft und zu Zellverbindern verarbeitet. Auf die Zellverbinder wurden 6,3mm Flachstecker gelötet, um die Zellen später einzeln entladen zu können:
Zellverbinder

Gleichzeitig wurde der Akku auseinandergenommen. Hier kam weiterer Pfusch zum Vorschein: Der Vorbesitzer hatte sich nicht einmal die Mühe gemacht Zollschrauben für die Akkus zu verwenden. Die Zellen sind von der Fa. Saft und mit zölligen Gewinden versehen (da sie in den USA hergestellt werden). Stattdessen wurden einfache verzinkte M6-Schrauben verwendet. Da diese zu klein sind wurde in jedes Gewindeloch ein Stückchen Draht eingelegt und dann die Schraube 'reingewürgt'.
Mühevolle Akkuarbeit

Der Neuaufbau gestaltete sich daher recht schwierig, da die Gewinde in den Zellen durch diese Behandlung ziemlich bis völlig kaputt waren. Es wurden also passende Zollschrauben in VA-Qualität bestellt (die waren so günstig dass man sich wirklich wundern muss warum der Vorbesitzer zu 'gstingad' war sich solche zu organisieren) und dann mit viel Mühe die Gewinde der Zellen wieder auf Vordermann gebracht und mit den neuen Zellverbindern miteinander verbunden. Dazu wurden die Zellverbinder rundherum gut mit Bosch Polfett eingeschmiert, um Grünspan möglichst zu verhindern. Besser wäre es gewesen die Zellverbinder zu verzinnen, aber dazu stand keine Anlage zur Verfügung. Hier der Unterschied, (halber) Akku alt, (halber) Akku neu:
NiCd alt - NiCd neu

Nach mühevoller Arbeit war es dann endlich soweit, der Akkupack sieht wieder ganz ordentlich aus:
Batteriekorb mit NiCd neu aufgebaut

In den folgenden Monaten gab es immer wieder Zellausfälle, innere Kurzschlüsse und massenhaft schlechte Zellen im Pack. Zum El gab es ca. 20-30 Ersatzzellen dazu, die so nach und nach auch gebraucht wurden, da mit dem neu aufgebauten Packen anfangs immer noch keine Reichweiten über 10km erzielt wurden. So nach und nach wurde es etwas besser, die NiCd-Zellen behielten trotz allem ihr Eigenleben: Einen Tag gings gut und man hatte >20km Reichweite, am nächsten Tag unter 10, obwohl der Akku immer vollgeladen wurde. Das besserte sich erst etwas, nachdem die Ladekurve im Ladegerät neu programmiert wurde. Jetzt wird weniger Überladen was die Zellen schont und zu besserer Mitarbeit überredet. Trotzdem gib es vor allem im Sommer immer wieder Überraschungen. Das Problem dieser NiCds ist, dass einzelne Zellen von jetzt auf gleich plötzlich leer sind und wegbrechen. Das passiert innerhalb eines km, und dann geht nichts mehr! Sehr ärgerlich, irgendwo stehenzubleiben, und wegen einer einzelnen Zelle nicht mehr weiterzukommen. Mittlerweile wird immer ein Satz Kabel mit Kabelschuhen mitgeführt, um im Notfall einzelne Zellen rückebn zu können. Trotzdem ist es extrem lästig, beim heimfahren von der Arbeit im Anzug an den Zellen rumschrauben zu müssen. Daher steht das El eigentlich immer, seit der Kewet fährt... Interessanterweise treten diese Probleme immer nur im Sommer auf, im Winter gehts deutlich besser. Das ist der einzige Lichtblick, denn im Winter bei schneegestöber hat sicherlich keiner Lust, an den Zellen rumzuschrauben.
Im Spätsommer 2008 waren dann auch noch die Kohlen runter, was sich in seltsamen Fahrverhalten bemerkbar machte. Ich dachte zuerst, dass das Antriebsritzel nicht mehr fest auf der Welle sitzt, aber es waren dann doch nur die Motorkohlen. Also wurde der Perm ausgebaut, und wanderte erstmal auf die Werkbank. Abgesehen von der Fettschmiere und dem sonstigen Dreck dort ging das recht gut. Die vielen Schrauben zu den Kohlen deuteten schon die Fummelei an:
Perm auf der Werkbank

Egal, erstmal zerlegen das ganze:
Perm zerlegt

Da müssen die neuen Kohlen wieder rein, auwei! Das Gegnstück dazu sieht auch nicht so gut aus:
Perm Kohlenhalter

Langer Rede kurzer Sinn: Es war eine furchtbare Fummelei! Vielleicht hab ich einen kniff nicht gekannt, aber die ganzen Kohlen mit den ewig langen Federn da gemeinsam alle auf einmal auf den Motor zu bekommen, das war nicht weit entfernt von Zauberei... Nur mithilfe von vielen vielen 1,5mm Kupferdrahtstückchen zum Festhalten der einzelnen Kohlen bzw. Federn gelang das Kunststück. Puuh, jetzt ist hoffentlich wieder für ein paar Tausend km Ruhe!
Im Februar 2009 passierte dann ein kleiner Unfall: Jemand wollte sich das EL von Innen ansehen, wusste aber nicht wie man einsteigt und stieg daher kurzerhand durch das aufgeknöpfte Seitenfenster ein. Dabei brach die Oberschale:
City El Schaden

Die Haftpflichtversicherung der Person zahlte leider nur wenig mehr als die Hälfte des Schdens, weswegen leider keine neue Haube beschafft werden konnte. An diesem Schden flicken wir noch heute, das ist, wie Carsten Schippers von der Vertragswerkstatt schon vorab gesagt hat nur schwer wieder hinzubekommen. Zwischenzeitlich hatte ich von den NiCd-Akkus die Nase voll und schoss bei einer Gelegenheit 85Ah NiMh-Zellen der Fa. Texaco.
Texaco Ovonic NiMh

Ja, das ist die bittere Wahrheit, sämtliche relevanten Patente für große (>10Ah) NiMh-Zellen sind in den Händen der Ölindustrie! Ein Schelm wer böses dabei denkt! Das sind die Zellen, die auch im Toyota Prius verwendet werden. Allerdings nur in der Hybridversion, ein reines Elektroauto wurde Toyota damals angeblich verboten. Die Zellen stammen aus einem umgebauten Twingo und waren ziemlich lange gestanden, was NiMh-Zellen im Gegensatz zu NiCd-Zellen nicht guttut. Also wurden alle Zellen einzeln vermessen und die schlechten (entweder internen Kurzschluss oder hoher Innenwiderstand) aussortiert. Insgesamt wurden 60 Zellen gekauft, 40 werden benötigt. Leider waren zu viele schlechte Zellen darunter, es ging sich gerade um ein paar Zellen nicht aus. Daher stehen die Zellen nun im Keller und warten auf bessere Zeiten. Wer ein 36V City El sein eigen nennt und auf der Suche nach 'neuen' Akkus ist, der möge sich melden. Die Zellen sind günstig abzugeben.
Insgesamt ist nach alldem zu sagen:
Das City El ist ein super Konzept! Mehr braucht man meiner Ansicht nach nicht, um in die Arbeit zu fahren.
Leider ist die technische Ausführung jedoch mehr als mangelhaft, das fängt beim Antrieb an (nur ein Rad angetrieben, um das Differential einzusparen) und hört bei der Verarbeitung auf (sehr empfindliche Haube).
Das Fahrwerk ist auch 'unter aller Kanone', der Komfort, gerade im Winter, lässt zu wünschen übrig. Man wünscht sich eine technische Konstruktion à la Venture One, die bei ähnlichem Konzept besser Durchdacht ist.
ausserdem zieht es aufgrund von Konstruktionsmängeln im El im Winter ganz fürchterlich.
Trotzdem macht das City El unheimlich viel Spaß, das ist wie Autoscooter fahren, und wer kann schon behaupten, täglich 1 Stunde oder mehr Autoscooter fahren zu dürfen?
Man ist vielbeachtet, vor allem junge Mütter und Kinder lachen und winken einem zu wenn man mit dem El unterwegs ist. Das ist ein sehr sehr schönes Gefühl, welches viele Komfortweinbußen wieder mehr als wett macht!
Schade dass es nie weiterentwickelt wurde! Das City El wird immerhin seit 1989 fast unverändert gebaut!




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